Traumberuf mit Hindernissen
Dabei war der Weg des 28jährigen Bielers zu den Velos und in die Werkstatt im «grüene Huus» der Kirchgemeinde Madretsch, wo Bregnard heute arbeitet, ein langer und steiniger.
Als Teenager ist das Mountainbike zwar stets sein Begleiter im Wald, doch als es um die Berufswahl geht, ist ihm der Wald zunächst wichtiger als das Velo: Er beginnt eine Lehre als Forstwart bei der Burgergemeinde Lengnau.
Ein Bandscheibenproblem zwingt ihn jedoch anderthalb Jahre später, die Lehre abzubrechen. «Das war für mich eine schwierige Zeit», sagt Bregnard. Anderthalb Jahre bleibt er krank geschrieben, viel zu lange für einen so jungen Menschen.
«Es ging mir gar nicht gut», sagt er, runzelt die Augenbrauen und wirkt plötzlich um Jahre älter. Die Therapie dauert lange, und Bregnard muss sich damit abfinden, diesen Beruf nie erlernen zu können. Dann hilft der Zufall ein biss-chen nach: Ein Telefonat mit der Mutter eines
Freundes bringt Licht ins Dunkel. «Sie fragte mich, was mein grösster Traum sei», erzählt Bregnard. Nach kurzer Bedenkzeit antwortet er ihr: «Eine eigene Velowerkstatt.» Damit fällt der Entschluss zur Lehre als Velomechaniker, und so kommt er ins «grüene Huus» zu Christian Stauffer.
Mehr als nur ein «Mech»
Stolz zeigt Bregnard die Velos in der Werkstatt, erklärt geduldig verschiedene Velotypen und Zubehör. Ein Umwerfer zum Beispiel bringt die Kette vorne vom einen Zahnkranz auf den anderen.
«Hinten, für den hinteren Zahnkranz heisst dasselbe Teil Wechsler», sagt Bregnard, und erklärt so lange weiter, bis sich der verständnislose Blick des Gegenübers in ein verstehendes «Aha» verwandelt.
Denn ein guter Velomechaniker ist viel mehr als einfach nur ein Mechaniker: «Das technische Können ist nur das eine», sagt Bregnard. «Wir sind aber gleichzeitig Verkäufer, Psychologen, Pannenhelfer, Sorgenonkel und Berater.»
Und das alles lerne man in der Ausbildung nicht. «Das muss man sich im Arbeitsalltag aneignen», sagt er, «und wer es sich nicht aneignen kann, bekommt ein Problem.»
Nach Abschluss der Berufslehre im Jahr 2002 kann Bregnard nicht im «grüene Huus» bleiben. Er arbeitet in verschiedenen Firmen in verschiedenen Aufgabengebieten, unter anderem als Metallbauschlosser, mal temporär, mal fix. Dann zieht es ihn zurück zu den Velos.
Der Schritt zur eigenen Firma
Anfang 2005 fragt Christian Stauffer Bregnard an, ob er sein Geschäftspartner werden will. Bregnard will. Doch inzwischen hat er auch an der Verwirklichung seines Traumes gearbeitet und seinen eigenen Veloreparaturdienst ins Leben gerufen.
Und so hat Bregnard zur Zeit zwei Jobs: Einen in der Werkstatt im «grüene Huus», und einen zuhause im Keller. «Dort arbeite ich für meine eigenen Kunden», sagt Bregnard.
Die Veloträume gehen ihm ob all der Zukunftsplanung jedenfalls noch lange nicht aus: «Einmal möchte ich als Mechaniker eine Tour de France begleiten», sagt er. Die Alpe d'Huez hat er bereits einmal selber erklommen.
Das Dankeschön
Dass nichts über einen zufriedenen Kunden geht, weiss Cédric Bregnard seit er Lehrling ist. Bewiesen hat es ihm ein deutscher Tourist auf der Durchreise. Dieser kam mit seinem arg lädierten Velo zu Bregnard in die Werkstatt - der Rahmen war gebrochen.
Bregnard, damals noch Lehrling und an diesem Tag alleine in der Werkstatt, nahm sich der schwierigen Arbeit an, lötete und reparierte. Der Tourist setzte seine Reise fort. Wochen später erhielt Bregnard eine Postkarte aus Spanien - von eben diesem Deutschen, der sich herzlich für die Hilfe bedankte, dank der er seine Radtour durch Europa hatte beenden können. (mb)
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